Nalan Celik: "Erfahrungen sind wahre Schätze und dadurch entwickelt man sich weiter."

Beim Betreten des Restaurants „hof:geflüster“ steigt mir der liebliche Duft von frisch gebackenem Kuchen in die Nase. Erinnerungen an zu Hause werden wach. Ich setze mich an das große Sprossenfenster im Gastraum. Es lässt den Raum größer wirken und verleiht ihm eine freie Atmosphäre.
Mein Blick geht in die Richtung Ballhof. Dort herrscht reges Treiben. Es ist einfach wunderbar als stiller Beobachter dabei sein zu dürfen. Aber auch im hof:geflüster wird wahrlich nicht geflüstert. Die anwesenden Gäste scheinen sich ebenfalls sichtlich wohl zu fühlen! So befinde ich mich sogleich in einer schönen entspannten Stimmung. Dadurch ist es meiner Aufmerksamkeit völlig entgangen, als plötzlich Nalan neben mir steht, lächelnd und in ihrer gewohnt ruhigen und aufmerksamen Art. Gemeinsam trinken wir ihren Lieblingstee Lemongras.

Du strahlst immer eine gleiche Ruhe und Sinnlichkeit aus.
Wie machst du das?

Ich bin nicht die ganze Zeit unter Druck, ich versuche die Sachen für mich in meinem Tempo zu verarbeiten. Ich setze mir keinen Druck mit „du musst“ und „jetzt“. Ich glaube, dass ist das Rezept.

Wie können wir uns deine Kindheit vorstellen?

Meine Kindheit war ganz unbeschwert. Meine Eltern stehen mir nach wie vor sehr nah, bis heute. Sie lieben mich einfach so wie ich bin. Das haben sie mich immer spüren lassen. Ich bin die Jüngste von drei Geschwisterkindern. Meine zwei älteren Brüder haben „ihren Job“ super gemacht. Ich bin sehr behütet aufgewachsen. Ja, – ich hatte eine wirklich schöne Kindheit.

Was war dein größter Wunsch als Kind?

Ich hatte mich eine Zeit sehr darauf versteift, Anwältin zu werden. Irgendwann bemerkte ich die Macht der Worte und was man alles mit einer guten Wortwahl erreichen kann. Ich habe dann fürchterlich viel und alles platt geredet. Ich war wirklich gut und überzeugend! Ich war schon immer sehr bescheiden. Ich hab mir nie noch mehr gewünscht und war meist mit dem zufrieden und glücklich, was ich hatte.

Was war dein schönstes Kindheitserlebnis?

Mein Vater kam einmal spät nachts in mein Zimmer und legte mir eine Puppe an mein Bett. Er kam von seiner Nachtschicht und hatte diese Puppe für mich geholt. Das werde ich niemals vergessen.

War das so eine besondere Puppe?

Ich kann mich nicht genau erinnern. Er hatte mich nur so wahnsinning damit überrascht und ich war so glücklich!

Bist du als kreativer und wacher Geist erzogen worden?

Nein, das würde ich nicht sagen. Ich habe erst spät bemerkt, so mit 30, dass ich mit vielen Dingen bewusster geworden bin. Ich wünschte, es wäre früher passiert. So habe ich eine unheimliche Reise hinter mir. Ich hätte gerne ein bisschen mehr von der Welt gesehen, als ich noch ungebundener war und einige Dinge leichter zu regeln waren.

Hast du eine gastronomische Ausbildung?

Ich bin Fremdsprachenkorrespondentin! Das ist es, was ich konnte und was ich immer wollte: Sprachen. Doch hier in Hannover waren Fremdsprachenkorrespondentinnen nicht so gefragt. Dann hätte ich eher ins Ausland gehen müssen, um beruflich weiter zu kommen. Also habe ich noch eine berufliche Ausbildung als Kauffrau im Einzelhandel absolviert. In diesem Beruf habe ich sehr gern gearbeitet. Ich liebe die Arbeit mit Menschen. Dann kam meine Tochter zur Welt, die nun sechs Jahre alt geworden ist.

Was machte den Reiz aus, ein Restaurant zu übernehmen?

Für mich ist es die eigene Leidenschaft für gutes Essen und Trinken und die Detailverliebtheit in vielen Dingen. Mich fasziniert die Raffinesse, die man aus vielen Dingen herausholen kann. Sei es ein Frühstück oder ein selbstgebackener Kuchen, ich bin immer wieder begeistert. Wir backen selbst! Anfangs habe ich ganz allein gebacken, zeitweise bis drei Uhr nachts.

Wie ist der Name „hof:geflüster“ entstanden?

Das war ein „Brainstorming“ mit meinen engsten Freundinnen. Ich wollte unbedingt etwas deutsches, etwas handfestes. Also kamen wir auf „Hof“ von „Ballhof“. Das Wort „Geflüster“ kam dann einfach hinzu und ich fand es einfach total schön. Das kann jeder so deuten wie er möchte. Ich finde den Klang des Wortes „Hofgeflüster“ sehr schön.

Was ist das Besondere am „hof:geflüster“?

Das wir wirklich erst selbst überzeugt sein müssen, bevor wir eine Idee umsetzen. Halbe Sachen machen wir nicht. Ich glaube, der Gast spürt ganz genau, dass es uns eine Herzensangelegenheit ist. Wir sind einfach so glücklich, wenn Gäste glücklich sind. Wenn das Feedback dann noch direkt an uns gerichtet ist, dass es toll war. Das ist das einzig Wichtige.

Was ist dein absoluter Favorit auf der Karte?

Da wir eine frische, kleine, wechselnde Karte haben gibt es immer wieder einzelne Gerichte, die meine absoluten Favoriten werden. Zurzeit ist es die Zucchini Tagliatelle. Ich liebe sie!

Welche Charakterzüge und Fähigkeiten helfen dir das Unternehmen zu führen?

Ganz klar Geduld. Aber auch Hingabe. Und vor allem der Respekt vor Menschen. Das ist ganz wichtig!

Wie gehst du generell mit schwierigen Momenten um?

Ich versuche erstmal durchzuatmen und nicht sofort zu reagieren. Ich benötige etwas Zeit, um es für mich zu verarbeiten. Ich vermeide, sofort darauf zu reagieren, da ich schon oft übereilten Reaktionen hinterher bereut habe.

Du strahlst immer eine gleiche Ruhe und Sinnlichkeit aus.
Wie machst du das?

Ich bin nicht die ganze Zeit unter Druck, ich versuche die Sachen für mich in meinem Tempo zu verarbeiten, ich setze mir kein „du musst“ und „jetzt“. Ich glaube, dass ist das „Geheim“-Rezept.
Kleine Auszeiten sind wie ein Anker für mich, wie z.B. einen Abend ausgehen oder mit meiner Freundin Essen gehen. Das hilft mir, wieder Kraft zu tanken. Den Spagat zwischen Familie, Kind und Job hinzubekommen ist eine weitere Herausforderung. An Tagen, an denen ich überarbeitet bin, bemerke ich, dass ich meiner Tochter ganz anders begegne. Das möchte ich nicht. Deshalb benötige ich meine Zeit, um mich auch einfach reflektieren zu können!

Was macht dich so richtig glücklich?

Meine Familie. Sie macht mich super glücklich. Wir sind zu dritt. Freunde machen mich sehr glücklich. Ich habe einen sehr engen, kleinen Freundeskreis. Wir kennen uns schon seit 15 Jahren, wir sind mit 17 sozusagen zusammen gekommen. Mittlerweile haben wir Kinder, alle sind verheiratet und man durchlebt gemeinsam viele Höhen und Tiefenl.Für mich ist das auch ein Stück weit Familie. Meine Eltern leben in einem Dorf und ich habe hier in der Umgebung keine Verwandten.

Kannst du auch mal wütend werden?

Mißgunst macht mich sehr wütend. Wenn Menschen nicht objektiv bleiben, sondern dir aus Mißgunst etwas Schlechtes wünschen. Das geht gar nicht!

Was fasziniert dich?

Immer wieder zu merken, dass ich in diesen zwei Jahren, in denen ich das hof:geflüster führe, selber gewachsen bin. Ich habe unheimlich viel dazu gelernt und das finde ich toll. Erfahrungen sind wahre Schätze und dadurch entwickelt man sich weiter.

Was magst du?

Was ich wirklich mag ist, wenn ich es schaffe, Gäste glücklich zu machen. Das ist für mich einfach das Befriedigenste was es gibt!

Was treibt dich immer wieder an?

Mein eigener Ehrgeiz treibt mich an, also mein eigener Anspruch. Ich könnte niemals sagen: „Hat nicht geklappt, Schwamm drüber, ist nicht so wichtig“. Dafür mache ich es viel zu gern.

Familie und Job überein zu bringen ist eine Herausforderung. Wie löst du diese?

Mein Mann und ich lösen uns ab. Es ist ein strammes Programm und es bedeutet gute Planung, aber es klappt.
Die gemeinsamen Absprachen und das feste Zusagen und natürlich das Einhalten der Absprachen, nur so kann es gelingen. So legen wir fest, wann wir Zeit für uns haben, Essen gehen, wann wir in den Urlaub fahren u.s.w.. Das ist super wichtig und wir freuen uns alle darauf.

Was gibt dir die Energie, die du tagtäglich benötigst?

Wenn ich mir meine Auszeiten gönne. Das ist so wichtig. Ich muss mich selbst zwischendurch belohnen, das gibt mir ganz viel Energie.

Was wünscht du dir für die Zukunft?

Das sich unser hof:geflüster genau so weiter entwickelt und wächst wie bisher. Dass ich immer Fortschritte sehe. Für mich persönlich wünsche ich mir, dass wir ein etwas ruhigeres Leben haben. Das wäre schön.

Wo fühlst du dich zuhause?

Hannover, ganz klar. Hier ist mein Zuhause.

Was liebst du an Hannover?

Ich liebe es in der Eilenriede einfach nur so hindurch zu spazieren. Das gibt mir eine große Ruhe und gleicht mich perfekt aus. Ich mag den Stadtteil Linden sehr gerne, wegen der Entspanntheit der Leute. Das ist noch einmal ein bisschen anders als in der Innenstadt..
Ich gehe gern mit meinem Mann ins Basil aus, dort verbringen wir schöne ruhige Abende. Die Bukowski´s Bar kann ich empfehlen. Bukowski´s ist relativ neu und ich finde sie machen das sehr gut. Das ist ein wunderschöner Laden. Das Ambiente spielt für mich einfach eine große Rolle. Wenn ich einen Raum betrete und denke „Wow!“, dann ist für mich alles klar.

Was ist Hannover für dich?

Hannover ist für mich eine Stadt, die relativ vielseitig ist, die gute Möglichkeiten hat in jeder Hinsicht. Ob es jetzt Restaurants, Bars sind oder die Freizeitmöglichkeiten.
Trotzdem finde ich, dass die Hannoveraner nicht so locker sind, wie ich mir das manchmal wünschen würde. In unserm hof:geflüster haben wir es sehr zu spüren bekommen. Hier stimmt der Ausspruch: „Kenn ich nicht, mach ich nicht, will ich nicht“! Sie möchten immer erst einmal auf der sicheren Seite sein und nicht experimentieren oder ausprobieren. Sehr schade! Aber, wir haben es geschafft! Es hat ein bisschen gedauert, bis die Mund zu Mund Propaganda uns einen guten Stand in Hannover geschaffen hat. Und heute macht es mich natürlich sehr glücklich, dass wir es geschafft haben.

Weiterführende Informationen auf der Webseite: www.hofgeflüster.com

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