Was ich will und davon meh

Lounge am Tiergarten, 13. November 2017

Noch nie konnten wir so viel entscheiden wie heute.

Viele Menschen fühlen sich durch die globale Vernetzung und die Überreizung durch digitale Medien überfordert. Unsere digitale Welt ist durch Datenverkehr und Geschwindigkeit geprägt. So schnell wie das Leben ist, so schnell sind eben auch unsere Entscheidungen fällig.

Wie können wir dann so schnell unsere Entscheidungen treffen? Und wie können wir wissen, was wir überhaupt wollen?

„Kann mal wer die Welt anhalten?“ … Wir brauchen Zeit, um uns über unsere Wünsche und Ziele klar zu werden, was uns im Leben wichtig ist und wie wir leben wollen. Wir sind zugefüllt mit Informationen. Wir benötigen Zeit, um das Geraffel des Alltags hinter uns zu lassen, um Neues zu erschaffen und uns unserer Wertigkeiten klar zu werden.

„Niemand anderer zu sein als du selbst – in einer Welt, die Tag und Nacht ihr Bestes tut, um dich zu jemandem anderem zu machen – bedeutet den schwersten Kampf zu kämpfen, den ein menschliches Wesen kämpfen kann.“ (Edward Cummings, amerik. Dichter und Schriftsteller, 1894-1962)

70 interessierte Frauen folgten dem Geschehen auf der Bühne mit großer Begeisterung. Bereits im Vorfeld der Veranstaltung sorgte das Thema für reichlich Gesprächsstoff. Meine wunderbaren Gäste des Abends: Elke Werner (Inhaberin des Teefachgeschäftes TEERAUSCH Dresden), Doris Rusteberg (UnternehmensFreude Beratung, Trainerin, Coach, Autorin) sowie der Trainer Martin Drießlein und zwei Spielerinnen der Frauenfußballmannschaft Hannover 96, Denise Grimsehl, Mannschaftskapitänin und Sinja Möller, Spielerin der 2. Mannschaft. In einem Punkt waren sie sich alle einig, zu wissen, was man will ist eng verbunden mit dem Wissen, wer man ist. Und das ist ein Weg, den jeder für sich ganz allein gehen muss.

Elke Werner wusste schon als kleines Mädchen sehr genau, dass sie ihr eigenes Teegeschäft eröffnen wird, wenn sie mal groß ist. Im historischen Stadtteil in Dresden hat sie ihren Traum verwirklicht. „Tee Rausch“ war geboren. Einfach mal die Zeit anzuhalten ist für sie ganz normal und damit ihr Lebensmotto. Sie genießt die Zeit der Teezubereitung ebenso wie die Zeit des Genießens und dabei haben ihre Gedanken Freigang.

„Tee begleite mich schon seitdem ich denken kann. Als ich klein war habe ich immer gesagt, wenn ich groß bin, eröffne ich meinen eigenen Teeladen.“

„Es gab immer Menschen, die mich ein Stück weit auf meinem Weg begleitet haben und mir sehr viel gegeben haben. Ich hatte großes Glück. Viele Menschen haben mich inspiriert. Ich kann es nicht an einer Person festmachen.“

„Ich bin ein totaler Aus-dem-Bauch-Entscheider. Ich weiß sofort, was ich will!“

Doris Rusteberg entschied sich ganz bewusst, ihr Lebensdomizil an den Ammersee zu verlegen. Die schöne Landschaft, Wasser und Natur geben ihr jederzeit die Möglichkeit, einfach mal auszusteigen. Die renommierte Trainerin, Buchautorin und Coach, sprach offen über die Veränderungen in ihrem Leben, neue Wege, aber auch über Fehlentscheidungen.

„Apropos Fehlentscheidung: da schau ich in den Kleiderschrank und weiß, das hatte ich nur einmal an und habe so und so viel Euros ausgegeben, dort ist es dann ganz eindeutig!“

„Wenn jemand im Suchprozess ist, im Sinne von: Wie soll ich mich entscheiden? Dann sind zwei Aspekte dabei ganz wichtig: Was macht mir Freude und was geht leicht? Und Dinge, die leicht gehen, da habe ich Ressourcen, da kann ich bereits etwas abrufen. Das muss eigentlich richtig sein.“

„Wenn ich gut bei mir bin und mich gut spüren kann, kann ich auch gute Entscheidungen treffen.“

Hannover 96 Frauen

Meine Gäste: Denise Grimsehl, Mannschaftskapitänin, Sinja Möller, Spielerin der 2. Mannschaft sowie ihr Trainer Martin Drießlein. Alle drei waren hoch motiviert. Im Anschluss an unser Gespräch fuhren sie sogar noch zum Training. Damit verdienten sie sich bereits unsere größte Hochachtung!
Hannover 96 ist wohl allgemein bekannt. Anders scheint es zu sein, wenn es um die Frauenfußballmannschaft geht. Großes Interesse und viele Fragen begleiteten die drei Akteure. Noch im Jahr 1955 untersagte der DFB seinen Vereinen, den Frauenfußball aufzunehmen. Erst 1970 lenkte der Verband ein, jedoch mit einigen Einschränkungen: kürzere Spielzeiten und ein kleinerer Ball. Seit der Männer WM 2006 sind die Zahlen explodiert: 1,1 Mio. weibliche Mitglieder hat der Verband. In Hannover gibt es derzeit 2 Mannschaften.

„Seit 20 Jahren gibt es Frauenfußball in Hannover. Vor 3 Jahren haben wir nunmehr einen fünf-Jahresplan aufgestellt. Wir wollen Hannover 96 Frauen als neue Marke auf den Markt bringen!“.

„Wenn der Ehrgeiz besonders hoch ist, dann geht man auch mal über die Schmerzgrenze hinaus.“

„Unsere Hauptmotivation ist das Zusammenspiel, das Team, unsere einzigartige Motivation und natürlich die Faszination am Spiel.“

„Niederlagen sind besser zu verkraften, wenn der Gegner wirklich besser ist. Schlechter zu verkraften ist, wenn man sich Fehler eingestehen muss. Aber zum Schluss ist nie der Einzelne Schuld, sondern das ganze Team. Dann können wir daran arbeiten.“

„Unsere Stärke ist unser Team und unser Zusammenhalt und das füreinander Einstehen.“

„Wir schauen immer im Team, wo wir uns verbessern können.“

„Fußballspielen von Mädchen wird noch immer Erstaunen aufgenommen. Wir müssen noch immer Aufklären und uns beweisen.“

„Frauen spielen nicht besser oder schlechter. Frauen spielen anders vor allem auf Grund ihrer physischen Aspekte.“

„Wo geht’s hin: Auf jeden Fall erst einmal der Aufstieg in die Bezirksliga.“

„Wir sprechen Spieler an, die Lust haben auf das Spielen. Ein großer Fokus liegt auf Teamgefühl, Leistungswillen, Menschlichkeit.“

mehr Informationen zur Frauenfußballmannschaft Hannover 96

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Text: Ina Mann

Fotos: Birgit Kolmer

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